Bonn-Niederholtorf: wir spucken euch auf den Kopf

Ich wohne in Bonn-Niederholtorf. Niederholtorf ist eines von 3 Dörfern, die oben im Siebengebirge am Rande des Naturschutzgebietes Siebengebirge bzw. Ennert liegen und hier im Südosten den Abschluß der Stadt Bonn bilden und somit den Ortsteil Holtorf bilden. Wir sind nur knappe 2000 Einwohner und es werden auch nie so wahnsinnig viel mehr werden, denn das Naturschutzgebiet auf der einen und die Stadtgrenze zu Königswinter auf der anderen Seite ist eine natürliche Begrenzung.

Bonn liegt unten am Rhein. Da ballt sich alles und bei gut 320.000 Einwohnern, dehnt sich die Stadt auch nicht so wahnsinnig aus. Im Süden und im Osten ist Bonn zudem durch die Kölner Bucht und das Siebengebirge begrenzt. Aber ein paar mutige Menschen, siedelten einfach oben auf dem Berg im Siebengebirge, wo es eine wunderbare Hochebene gibt und so wurden wir 1138 bereits das erste Mal unter “Holzdorp” geschichtlich erwähnt. Wir sind also die oben.

Die Erwähnungen in der jüngeren Geschichte, sind eher begrenzt auf Autounfälle. Leider ist Niederholtorf auch Durchgangsstraße für alle, die in Dörfern im Siebengebirge wohnen und nach Bonn wollen. Hält man sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen und macht sich bewußt, dass wir hier auf dem Berg (also für Rheinländer sind das hier Berge)  sind, dann sollte man hier gut durchkommen, aber der Rheinländer kennt keine Berge und auch keinen Schnee und keinen Wind und so ist das hier oben pure Wildnis mit rheinischen Serpentinenstraßen, Bereichen in denen im Winter nicht geräumt wird (der Holtorfer steckt im Winter schon mal fest, wenn er keine Langlaufskier hat) und starker Wind, der über die Felder der Bauern fegt, ist hier die Norm.

Außer Autounfällen war der letzte Aufreger hier 2001 ein Bienenschwarm, der die Bevölkerung bedrohte und es sogar in die Zeitung schaffte. Killerbienen. Voll die derbe Wildnis hier oben ;)

Wir Holtofer haben aber noch eine Tradition, die es in Bonn nicht gibt, sondern nur in den Dörfern des Siebengebirges: das Pfingsteiersingen. Jaha … großes Kino. Die

Peisjonge (Junggesellen) gehen von Tür zu Tür und bekommen rohe Eier. Vor vielen 100 Jahren, wünschte man allen Dorfbewohnern Frohe Pfingsten und brachte noch mal ins Gedächtnis, dass man Junggeselle war und noch zu Verheiraten ist. Da es um die Zeit noch keine reifen Früchte gibt, hat man den Junggesellen Eier gegeben als Dankeschön für die guten Wünsche. Die Eier werden dann gemeinsam abends mit viel Schabau (Schnaps) ausgeblasen und Rührei für alle gemacht (in einer großen Pfanne, wie in Villariba) und dabei klöppelt man dann den Eierkranz, der Pfingsten aufgehangen wird und von einem riesigen Dorffest gekrönt wird bei dem Junggesellen und Mädels unter den wachen Augen der Eltern aufeinander treffen.

Praktisch jedes Haus liegt direkt am Anfang eines Wanderweges ins Siebengebirge. Die Anwohner in Holtorf wandeln sich nun bevorzugt in fanatische Freizeitsportler, gerne mit Hund, aber vor allem mit genügend Geld, denn die Preise hier oben sind gesalzen , da Naturliebhaber, dieses Einfallstor ins Siebengebirge einfach lieben.

Jetzt habt ihr sehr oft das Wort “Siebengebirge” gelesen und fragt ihr den Holtorfer woher er kommt, wird er immer “us em Siebenjebirje” sagen und nicht “Bonn” auch wenn wir seit 1969 dazugehören und dieses Hauptstädtler sein (also damals ;) sehr schätzen.

Nach knapp 15 Jahren in der Bonner Altstadt, stellte ich fest, dass ich zu selten besoffenen aus der Kneipe in mein Bett falle und somit die vielfältigen Möglichkeiten der Kneipenkultur zu wenig nutze mit zunehmendem Alter. Also bin ich vor vielen Jahren dann aufs Dorf (in Bonn) gezogen und habe ein Auto gekauft und merke, dass das für meinen momentanen Lebensabschnitt perfekt ist. Und zur Telekomzentrale benötige ich bei perfekten Konditionen 7 Minuten und im schlimmsten Fall 14 Minuten. Meine Lebenszeit nicht mit Stau zu vergeuden, finde ich eine der schönsten Seiten an Niederholtorf.

(Angeregt wurde der Artikel durch die liebe Ellebil, die mal angefangen hat mit dem Bloggen über die Bonner Stadtteile und ich hoffe, dass noch mehr folgen. Die werde ich dann hier mit einpflegen, damit man die Links an einem Ort hat

  1. Bonn  - Endenich von ellebil
  2. Bonn – Niederholtorf von Karin
  3. Bonn – Tannenbusch von Stefan
  4. …?
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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Bonn-Niederholtorf: wir spucken euch auf den Kopf

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